Die Fehlstelle - anbiedernde Fälschung oder Modernismus?

Die Ergänzung der Fehlstelle – Neue Architektur als anbiedernde Fälschung oder engstirniger Modernismus? – Der Umgang mit der städtebaulichen oder restauratorischen Ergänzung ist ein provokantes Thema dieser ARX 1-2015.

 

Erhalter und Restauratoren wissen, dass die Geschichte weder wiederholt noch zurückgedreht werden kann. So ist es müßig, jenen, die den deutlichen Bruch mit dem Bisherigen suchen oder neue Interpretationen anstreben, Verständnislosigkeit, Geringschätzung oder die Unkultur einer Wegwerfgesellschaft vorzuwerfen. Ebenso anmaßend ist es aber, jemandem Fälschung oder überholten Historismus vorzuwerfen, der an eine bereits eingeschlagene Entwicklung anknüpft und diese weiter entwickelt.



So kann die Fehlstelle in der Städteplanung oder in der Restaurierung als Ästhetik des Bruches wahrgenommen und als künstliche Überbrückung oder als bewusste Abgrenzung inszeniert werden, während ihre Ausblendung Ausdruck einer gewünschten oder tatsächlich auch empfundenen Kontinuität ist. Beides zuzulassen und zuzugestehen, wäre, je nach Fall, möglich, fällt offenbar aber schwer, da mit solchen Lösungsansätzen Ideologien verknüpft sind.


Loreno Confortini und Pier Carlo Bontempi sprechen über moderne Bauwerke und zeitgenössische Zeichnungen, die der Tradition verpflichtet seien. Boris Frohberg thematisiert anhand der Wiederherstellung von Frauenkirche und Neumarkt zu Dresden, der Stadtschlösser von Berlin und Potsdam sowie des Collegium Maius zu Erfurt den „Umgang mit der plastischen Fehlstelle im Spannungsfeld ihrer Umgebung“. David Haas beschäftigt sich mit der Restaurierung historischer Kachelöfen in Burgen und Schlössern.

 

Spannende gedankliche Rekonstruktionen bieten Neufunde, die die Südtiroler Themen prägen. Wir sprechen von zwei neu entdeckten Burgen im Gelände und auf einem Gemälde. So beschreiben Hubert Steiner und Armin Torggler „die wiedergefundene Burgstelle von Meisenreut im Pustertal und ihre Besitzer“. Die Familiengeschichte der Herren von Meisenreut ist bezeichnend für den Görzer Adel im Pustertal, die Wiederentdeckung der Burg eine kleine Sensation. Fabian Brenker und G. Ulrich Großmann erkennen hingegen in einem Fresko auf Freudenstein in Eppan „die älteste Abbildung der Burg Hocheppan“. Das Fresko ist schon lange Zeit aufgedeckt, wurde aber lange nicht als solches erkannt.

 

Ausführlichen Raum bekommt die slowenische Burg Reichenburg mit der sich die zwei namhaften Autoren Miha Preinfalk und Igor Sapač beschäftigen. Ihre spannende und bewegende Geschichte bietet Anlass zur Auseinandersetzung und fördert den lokalen Stolz auf die Geschichte des Landes. Reichenburg war südlichstes Bollwerk des Erzbischofs von Salzburg. Das „Erlebnismuseum Rote Mauer“, ein Museum zur Geschichte der Festung Forchheim in Bayern, wird schließlich von Robert Schäfer beleuchtet.

 

Interessante Berichte, Buchbesprechungen und Benachrichtigungen bringt diesmal auch der Nachrichtenteil aus Bayern, Österreich und Südtirol. Die vom Südtiroler Burgeninstitut herausgegebene Zeitschrift „ARX. Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol“ erscheint nun mit Heft 1-2015 im 37. Jahrgang und wird im Abonnement im gesamten deutschen Sprachraum versendet.

 

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